Kultur

Frankreich inspiriert Haldenstein
Haldenstein inspiriert die Schweiz und Europa

Input und Output von Schloss Haldenstein
Le jardin du roi

Martin Michel

Der französische König Franz I. hatte das Waffenhandwerk und die Streitlust der alten Eidgenossen und der Bündner 1515 in Marignano kennengelernt. In dieser Schlacht, die der einundzwanzigjährige Franz I. nicht wollte, verloren über 10‘000 Eidgenossen ihr Leben, was ihren  Eroberungsdrang erschütterte. Die seit 1512 zu den Drei Bünden gehörenden Veltliner Untertanenlande wurden durch Marignano nicht tangiert. Wenige Jahre später kehrte der Ritterkönig, der auf seinen jahrelangen Feldzügen um das Herzogtum Mailand die italienische Renaissance kennengelernt hatte, nach Frankreich zurück, wo er als letzter Loire-König das Erblühen der Renaissance förderte. Der Reisekönig ohne feste Residenz brachte Leonardo da Vinci und Benvenuto Cellini nach Frankreich. Mit zahlreichen Werken von Michelangelo, Tizian und Raffael schuf er den Grundstock für die Gemäldesammlung des Louvre. Johann Jakob von Castion, der einem Mailänder Adelsgeschlecht entstammte, war Gesandter von König Franz I. bei den Drei Bünden. 1544 errichtete er Schloss Haldenstein als Rennaissanceanlage mit „Hängenden Gärten“. Dieses prächtige und mit namhaften Mitteln der französischen Krone erbaute Schloss musste deutlich erhöhten Repräsentationsbedürfnissen entsprechen. Dadurch war es in den regen kulturellen Austausch im Europa der Renaissance eingebunden. Die königlichen Interessen gegenüber den Drei Bünden galten insbesondere den Passübergängen, der Rekrutierung von Infanterie und dem Salzhandel. Nach seinem Tod erneuerte sein Sohn und Nachfolger, Heinrich II., 1547 die französische Gesandtschaft in Schloss Haldenstein. Wie bei seinem Vater war Heinrichs Aussenpolitik durch Kriege mit dem Haus Habsburg geprägt. Er war ein begeisterter Jäger und beteiligte sich gern an Turnieren. Seine Mätresse Diana von Poitiers bestärkte ihn in dieser Leidenschaft. 1559 starb er an einer Turnierverletzung.  

Im 18. Jahrhundert behinderte die innerliche Erstarrung der Eidgenossenschaft die Umsetzung wichtiger Bildungsansprüche der Aufklärung. In diesem schwierigen Umfeld gründete der initiative und eigenständige Bündner Theologe und Pädagoge Martin von Planta 1761 das Seminar Haldenstein und führte dieses mit Johann Peter Nesemann aus Magdeburg. Diese Ausbildungsstätte im Schloss bestand bis 1771 und vermittelte eine umfassende Bildung mit Vorbereitung auf die verschiedenen Aufgaben in Staat und Gesellschaft. Die Leistungen der Haldensteiner Erzieher beeinflussten als Kaderschmiede das geistige, politische und wirtschaftliche Geschehen im bündnerischen 19. Jahrhundert entscheidend. Weit über die Grenzen Graubündens wirkten einzelne  Schüler Haldensteins in ihrem politischen Umfeld. Der Waadtländer Politiker Frédéric César de Laharpe, Erzieher von Zar Alexander I. und Präsident der helvetischen Direktorialregierung,  prägte das Bild von Alexander I. über die Eidgenossenschaft, was diesem am Wiener Kongress von 1815 zugute kam. Der Genfer Patrizier Charles Pictet de Rochmont erreichte am Wiener Kongress die Unabhängigkeit von Genf und dessen Vereinigung mit der Schweiz sowie die Anerkennung der immerwährenden Schweizer Neutralität und territorialen Unverletzlichkeit durch die Grossmächte Frankreich, Grossbritannien, Russland, Preussen und Österreich. Hans von Reinhard, ein Zürcher und  Schweizer Politiker von internationalem Format, war 1803 Mitunterzeichner der Mediationsakte, vertrat die Schweiz an der Kaiserkrönung Napoleons in Paris sowie 1815 am Wiener Kongress. Sein Wohn- und Amtssitz war das Haus zum Rechberg in Zürich. 1793 eröffnete der Haldensteiner Zögling, Politiker und Pädagoge Johann Baptista von Tscharner in Schloss Reichenau das gleichnamige Seminar. 

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